Tausende AntifaschistInnen demonstrieren gegen Naziaufmarsch in Dortmund

Foto von PM_CheungAm 3. September demonstrierten in Dortmund mehrere tausend AntifaschistInnen gegen den Aufmarsch von ca. 750 Neonazis. Trotz einer bislang noch nicht dagewesenen politischen Stimmung gegen den Naziaufmarsch hat die Polizei in Dortmund unter Mißachtung des Verhältnismäßigkeitsgebotes den Nazis den Weg freigemacht. Die Polizei riegelte das Aufmarschgebiet hermetisch ab und setzte Knüppel, Pfefferspray, Hunde und Wasserwerfern gegen die AntifaschistInnen ein. Dadurch kam es zu zahlreichen verletzten GegendemonstratInnen, von denen einige im Krankenhaus behandelt werden mussten. Außerdem nahm die Polizei knapp 300 Antifas in Gewahrsam.

Das Antifaschistische Aktionsbündnis (AAB) bedankt sich bei allen die mit uns nach Dortmund gefahren sind!
Unsere Solidarität gilt den Verletzten und den von Strafverfahren bedrohten – meldet euch bei der Roten Hilfe oder bei uns, wir lassen niemanden allein!

Berichte und Fotos:
Vorläufige Bilanz von DSSQ | Bericht von Alerta | Junge Welt | Der Freitag | Fotos I | Fotos II | Fotos III | Fotos IV

Bericht der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF)
Bericht der Antifaschistischen Linken Fürth (ALF) zum Naziaufmarsch in Dortmund

Für die Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 3. September in Dortmund mobilisierten auch antifaschistische Gruppen aus Fürth und Nürnberg. Der Bericht soll einen Überblick über die lokale Mobilisierung, sowie über die Aktivitäten und die Polizeigewalt in Dortmund geben. Am Ende des Berichts wird außerdem ein Fazit gezogen, welches Fragen aufwirft, die Grund zur Diskussion bieten sollen.

Die Mobilisierung nach Dortmund
Zum zweiten Mal in Folge mobilisierte das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg (AAB) zu den Aktivitäten gegen den sogenannten „Nationalen Antikriegstag“ von NeofaschistInnen in Dortmund. Ende Juli fand dazu in Fürth eine Mobilisierungsveranstaltung mit einem Vertreter des Bündnisses Dortmund stellt sich quer (DSSQ) statt, welche den Startschuss des Kartenverkaufs für den Bus nach Dortmund darstellte. Zwischendurch versuchte die Polizei in die Mobilisierung einzugreifen und wirkte auf Busunternehmen ein, um zu erreichen, dass diese AntifaschistInnen nicht nach Dortmund fahren. Doch diese Taktik der Polizei ging nicht auf.
Eine halbe Woche vor dem 3.September war der Bus binnen weniger Tage voll und noch lang nicht alle Anfragen befriedigt. An dieser Stelle deshalb einmal mehr der Aufruf an Alle: Kauft euch frühzeitig eure Tickets, dann haben die OrganisatorInnen die Möglichkeit weitere Busse zu beschaffen.

Der 3. September
Am frühen Morgen machten sich ca. 75 AntifaschistInnen von Nürnberg aus auf den Weg um den Neonaziaufmarsch zu blockieren. Die Fahrt verlief reibungslos und bei der Ankunft in Dortmund war die Reisegruppe bereits auf knapp 250 Menschen angewachsen. Innerhalb weniger Minuten setzt sich die Gruppe in Bewegung um in die „Rote Zone“, das Aufmarsch-Gebiet der Neonazis, vorzudringen. Schnell wurde das klar was einige befürchtet hatten, die Polizei riegelte die „Rote Zone“ mit Wasserwerfern, Hamburger Gittern und Hunden hermetisch ab. Somit war es nicht möglich durch schnelles Handeln in das Aufmarsch-Gebiet vorzudringen und die Gruppe vereinte sich mit einem anderen „Finger“.
Die mittlerweile ca. 600 AntifaschistInnen versuchten nun ihr Glück im Park um das Hallenbad Nord. Bei einem Versuch die Polizei-Absperrungen zu durchdringen kam es zu ersten Festnahmen und einigen Verletzten durch Pfefferspray- und Knüppeleinsatz der Polizei. Im Laufe des Vormittags wurde vergeblich nach Lücken in den Polizeiabsperrungen bzw. nach Möglichkeiten diese zu überwinden gesucht. In der Schützenstraße kam es zu einem ebenso unnötigen, wie massiven Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Einige AntifaschistInnen wurden dabei so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Mittlerweile hatten sich die verschiedenen Finger weitestgehend aufgelöst, da mit Mitteln des zivilen Ungehorsams die Sperren einer derartig gewalttätigen Polizei nicht zu überwinden waren. So war es nunmehr eine große Gruppe die versuchte den Naziaufmarsch zu behindern. Am Mittag benutzte die Polizei dann Wasserwerfer gegen GegendemonstrantInnen und setzte einige Hundert von Ihnen, ohne Begründung in einem Polizeikessel fest. Aus diesem „Kessel“ stammen die meisten der knapp 300 Fest- bzw. Ingewahrsamnahmen, von denen gut 50 sogar minderjährig waren. Eine große Anzahl an solidarischen DemonstrantInnen versuchte anschließend Druck auf die Polizei auszuüben, konnte den Abtransport der AntifaschistInnen aber nicht verhindern.

Zu dieser Zeit hatten sich die Neonazis bereits am Hauptbahnhof versammelt und ihren Aufmarsch begonnen. Durch die Polizei geschützt konnten die NeofaschistInnen ihren Aufmarsch nahezu ungestört durchführen, allerdings mit erheblich weniger TeilnehmerInnen wie erwartet. Dank der massiven Proteste hatten die NeofaschistInnen keinerlei Öffentlichkeit bei ihrem Aufmarsch.

Währenddessen formierte sich in der Dortmunder Nordstadt ein Demonstrationszug, welcher dann mit mehreren tausend AntifaschistInnen zum Hauptbahnhof zog, allerdings nicht ohne zwischenzeitlich noch einmal von der Polizei gestoppt zu werden. Nach und nach trudelten immer mehr DemonstrantInnen aus den einzelnen Fingern am Hauptbahnhof ein, um dann von dort die Heimreise anzutreten.
Auch der Bus aus Nürnberg fuhr schließlich wieder in Richtung Süden, allerdings fehlten einige GenossInnen, da sie sich noch im Gewahrsam der Bullen befanden.

Fazit
Zu aller erst muss leider festgehalten werden, dass es nicht gelang den Neonaziaufmarsch zu verhindern. Obwohl es die verschiedenen antifaschistischen Bündnisse dieses Jahr schafften eine bislang noch nicht dagewesene politische Stimmung gegen den Naziaufmarsch zu erzeugen, setzte die Polizei den Aufmarsch mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln durch.

Positiv zu bewerteten ist, dass die drei antifaschistischen Bündnisse Alerta, DSSQ und Dortmund Nazifrei dieses Jahr zusammen gearbeitet haben und sich auch nicht durch die billigen Spaltungsversuche der Polizei auseinander bringen haben lassen.In der Bilanz von DSSQ heißt es: „Zugleich bekräftigen wir, dass wir keine AktivistInnen verheizen wollen – die offene Gewalt der Polizei setzt uns derzeit Grenzen.“ Genau dies muss in den kommenden Monaten diskutiert werden, auch im Hinblick auf Dresden 2012. Wie kann ein Konzept aussehen, welches Neonaziaufmärsche auch gegen den Willen einer gewalttätigen Polizei verhindern kann, ohne dass dabei Aktivistinnen verheitzt werden. Die Frage die sich hierbei stellt, ist auch ob dies mit Mitteln des zivilen Ungehorsams alleine überhaupt möglich ist.

In der Presseerklärung von Alerta sagt eine Sprecherin: „Es ist klar, dass der heutige Polizeieinsatz ein Nachspiel haben muss“. Viel wird sicherlich davon abhängen ob der Polizeieinsatz in Dortmund im Nachhinein als das betrachtet wird was er war: unverhältnismäßig, brutal und illegal. Oder ob die Polizei mit ihren Phantasien von „Gewaltexzessen gegen Polizeibeamte“ durchkommt. Dies bleibt in den kommenden Wochen Aufgabe der ortsansässigen Gruppen.

Am Ende ein Zitat aus der DSSQ Bilanz: Unsere Solidarität gilt den Verletzten und den von Strafverfahren bedrohten – meldet euch, wir lassen niemanden allein!“ Dies gilt natürlich auch für die Festgenommenen aus dem Bus aus Nürnberg!